Diskussion zum Forschungsprojekt Generation 9/11

Dieser Artikel ist etwas ungewöhnlich, da ich eine Diskussion in den Kommentaren zu einem anderen Artikel hervorhole. Das liegt vor allem daran, dass eine weitere Diskussion mit der Kommentarfunktion zu einem sehr verschachtelten Ergebnis führen würde. Zumal zunehmend weniger Platz wäre. Zum anderen finde ich die Diskussion auch sehr fruchtbar, insofern hat sie eben auch einen neuen Artikel verdient.

Im schlimmsten Falle fühlt sich eben nur eine Person angesprochen, nämlich Beate.

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Generation 911 – Das Gefühl überlebt zu haben

Pünktlich zum 11. September wird die Ergebnispräsentation der UDE „Studie“ (siehe hier und hier) medienwirksam begleitet. Und wenn schon nicht die Forschung professionell ist, so ist es doch wenigstens die Pressearbeit. Wenn es so weiter geht, kann ich mein Notizblog auch weiterhin mit dieser Studie füllen. Es gibt da so einiges zu lernen.

 „Die Terroranschläge vom 11. September 2001 haben die Welt verändert.“ (WDR)

Man fühlt sich fast ans Rosenkranzbeten erinnert. Die Welt hat sich verändert, verändert, verändert… Nach dem wichtigen „Opener“, kommen die alles entscheidenden Fragen:

 „Auch den Alltag? Gibt es in Deutschland eine „Generation 9/11“ wie in den USA?“ (WDR)

Der 11. September hat also die Welt (!) verändert, aber beim Alltag sind wir uns da nicht so sicher.  Entscheidender soll hier aber das mögliche Leitmotiv sein:  Ist es so wie in den USA?

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Generation 911 – Eine kollektive Wunde?

Nachdem ich den vorhergehenden Artikel zur Generation 911 – Studie abgeschlossen hatte, bin ich auf die facebook Seite der Studie gestoßen. Ganz abgesehen von den Vernetzungen über die „Likes“, die wieder einiges über die Motivation der Forschung aussagen, bin ich auf folgende Beiträge gestoßen:

31. Mai: Wir arbeiten intensivst an der Auswertung. Heute versuchen wir, ein Online-Diskussionsforum in die qualitative Auswertungssoftware zu übersetzen, was bereits interpretative Arbeit darstellt. Zur Erinnerung: Unsere Erhebungsmethode ist neu – wir freuen uns über die Herausforderung!

Mir ist jetzt nicht ganz klar worin die Herausforderung besteht. Die einzelnen Beiträge zu markieren, zu kopieren und sie in die Auswertungssoftware einzufügen, kann hoffentlich nicht die Herausforderung sein. Mich hat es jedenfalls nicht allzu sehr angestrengt. Auch habe ich noch keine interpretative Arbeiten ausführen müssen beim Kopieren der Rohdaten. Um einen Diskussionsverlauf auswerten zu können, muss ich das gesamte Forum in die Auswertungssoftware „übersetzen“ (aka kopieren). Da kann ich nicht im Vorfeld interpretative Arbeit leisten. Gut angesichts meiner Anmerkungen im vorhergehenden Artikel könnte man natürlich einwenden: es hat ja eh keine Diskussion gegeben, also kann ich auch jeden Beitrag einzeln und unabhängig kopieren.

Nun denn. Ich hab einfach mal alle Beiträge (ja auch die Trollbeiträge) in die Auswertungssoftware kopiert.

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Generation 911 – Zur soziologischen Konstruktion der Wirklichkeit

Der 11. September 2001 hat die Welt verändert. Zumindest wird das behauptet. Was jetzt genau verändert sein soll, wird allerdings meist nicht geklärt. Jeder weiß es ja oder besser: sollte es wissen. Es soll also eine gefühlte Wahrheit sein.

Ob es sich nun tatsächlich um einen radikalen Bruch in der Entwicklung der Menschheit bzw. der einzelnen Staaten handelt oder ob es eine sich schon vorher abzeichnende Entwicklung nur beschleunigt hat, ist nicht so ohne weiteres zu klären. Ob es also zu sozialstrukturellen Veränderungen gekommen ist, zu Veränderungen im Geflecht und im Aufbau von Institutionen und Positionen, bedarf genauerer Betrachtungen. Neben diesen soziogenetischen Aspekten von gesellschaftlichen Prozessen gibt es auch noch die psychogenetischen Aspekte. Also wie sehr haben die Terroranschläge vom 11.09. die Wahrnehmungs- und Empfindensmuster der Menschen verändert. Welchen Einfluss auf den sozialen Habitus und das kollektive Gedächtnis hatte der massenmedial aufbereitete Massenmord?

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 haben die Welt geschockt. Fast jeder kann seine ganz persönliche Geschichte erzählen, wie er von der Katastrophe erfahren hat und die erschreckenden Bilder der brennenden Twin-Tower zum ersten Mal sah. Doch kann man deswegen von einer „Generation 9/11“ in Deutschland sprechen? Dieser Frage gehen Soziologen der Universität Duisburg-Essen (UDE) jetzt in einem Online-Diskussionsforum nach. Prof. Dr. Carsten G. Ullrich und Dr. Daniela Schiek von der Fakultät für Bildungswissenschaften erforschen, wie die heute 30- bis 40-Jährigen die Anschläge erlebt und verarbeitet haben. [Pressemitteilung]

Damit nehmen sich die Soziologen der Universität Duisburg-Essen einem spannenden, kontroversen, komplizierten und auch unverständlich vernachlässigtem Thema an. Denn das angeblich größte Verbrechen des 21. Jahrhunderts wird wissenschaftlich kaum beachtet. Umso notwendiger also, dass sich Menschenwissenschaftler mit den unterschiedlichen Aspekten dieses Anschlages beschäftigen. Der Forschungsfrage nach einer möglichen Generation 911 mittels eines Online-Forums nachzugehen, ist ein durchaus probates Mittel, bietet es doch viele Vorteile. Die Diskussionen liegen bereits schriftlich vor und können relativ einfach in entsprechende Auswertungssoftware kopiert werden. Das spart Zeit und Geld und man kann sich auf die Auswertung konzentrieren. Auch sind Foren keine ahdoc-Diskussion wie es bei face-to-face Gesprächen der Fall ist. Es ist davon auszugehen, dass die Onlinediskutanten sich mehr Zeit beim Schreiben lassen und ihre Beiträge auch durchaus korrigieren bevor sie sie absenden. Anhand der gespeicherten Zeiten beim Veröffentlichen der Texte wäre auch ein schnelles, „unüberlegteres“ Antworten (und somit möglicherweise affektiveres) nachvollziehbar und belegbar.

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